“Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: Sterne, Blumen und Kinder.”
Dante Alighieri

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vision einer Schule der Zukunft

 

 

 


Fenwick W. English ist Professor am College of Education an der Universität von Kentucky.
Er hat als Lehrer, als Direktor einer Mittelschule, als stellvertretender Schulinspektor und leitender Inspektor von Schulen in 2 New Yorker Schulbezirken gearbeitet.

John C. Hill: Professor für Verwaltung des Bildungswesens am College of Education der Universität von Cincinnati.
Er arbeitete als Lehrer und Rektor einer Mittelschule.


Radikale Änderung: keine Schulen mehr, sondern Lernzentren.
In der normalen Schule gibt es Gewinner und Verlierer - Schule daher nicht mehr akzeptabel.

Wichtig: Chancengleichheit
Idee des Total Quality Management nicht mehr aktuell, zu oberflächlich - TQE (Total Quality Education)

W. Edwards Deming, 93 Jahre:
Zu wenige Schüler lernen etwas, und niemand hat mehr Freude am Lernen. Keine Klassenzimmer mehr! Nur noch Lernzentren und Lehrer, die wissen, wie man den Lernprozess anleitet. Wettbewerb durch Zusammenarbeit ersetzen!

Die amerikanische Geschäftswelt hat fast 50 Jahre gebraucht, um dieses Konzept schätzen zu lernen.
Das amerikanische Erziehungssystem wird mindestens ebenso lange brauchen, um dieses Konzept schätzen zu lernen.
Die Kinder haben es verdient.

Dennings Kritik an der Schule:

.) Notengeben – hält vom Lernen ab
.) Schülern und Lehrern durch künstliche Mittel aufgezwungene Einstufung
.) Goldene Sterne für Leistungen oder Arbeiten von Schülern
.) Kategorisierung verschiedener Schulen oder Lehrer aufgrund von Leistungen und anderen
Kriterien
.) Gewinner und Verlierer in der Praxis

Wettbewerb konditioniert Menschen auf das Versagen.
Denning meint, dass Schulen Wettbewerbsformen hervorbringen, die zu einem späteren Zeitpunkt in der menschlichen Entwicklung beitragen, dass Praktiken akzeptiert werden, die auf Menschen und Organisationen, in denen sie arbeiten, destruktiv wirken.
Denning ist gegen das Notengeben, da es die angeborene Freude am Lernen um seiner selbst willen zerstört. Er ist auch gegen Prüfungen, die entsprechend dem Prinzip der künstlichen Knappheit, Gewinner und Verlierer
Seiner Meinung nach sind Prüfungen nur insoweit von Nutzen, um eine Klärung herbeizuführen, inwieweit sich ein Kind in der Gesellschaft zurechtfinden kann, und sie den Platz aufzeigen, indem es sich am besten einbringen und an dem es die meiste Hilfe bekommen kann.
Denning zitiert weiter, dass aus seinen Kenntnissen der Wahrscheinlichkeitsrechnung sich Systeme nicht selbst regulieren können; sie bedürfen der Intervention von außen.
Sie verstehen die Ursache der Variation nicht, die bei ihren Prozessen wirksam sind.
Einführung von kooperativen Formen des Lernens, die Freude am Lernen soll überwiegen.
Erfahrung, die nicht durch Wissen und eine theoretische Grundlage gestützt wird, hat laut Denning keinen Lerneffekt. Seiner Meinung nach sind systemische Veränderungen notwendig; d.h. man sollte sich mit dem Syndrom der Kontrolle auseinander setzen, denn das Abhalten von immer mehr Prüfungen nimmt den Schulen die Pflicht, über ihren Lehrplan Rechenschaft abzulegen.

Wenn in einem Schulsystem die soziale Struktur, die ihrem Wesen nach ungerecht, unfair und rassistisch ist, wie in Amerika, kann sich Denning ein win – win Konzept erst dann vorstellen, wenn die bestehenden sozialen Hierarchien in Organisationsformen umgewandelt werden, die die Gemeinschaft unterstützen.

Denning würde ein Curriculum mit einem erfahrungsbezogenen Kern befürworten. Er könnte sich ein breitgefächertes Angebot von Lernmethoden vorstellen, da es die einzige Möglichkeit darstellt, alle Schüler zu Gewinnern zu machen.
Nicht jede Lehrmethode ist für jeden Schüler geeignet.
Diese Umgestaltung, schlägt er vor, in einem Lernzentrum zu vollziehen.

Wie sieht nun das Deming’sche Lernzentrum aus?

.) Kulturelle Vielfalt, in dem Kultur, Sprache und Umfeld nicht zu weniger intelligent oder
niedriger stehenden Menschen führen würde.
.) Schaffung eines gemeinsamen erfahrungsbezogenen Kerns.
Wissensanforderungen beruhen auf Anforderungen, die als grundlegend bei allen Völkern und
Kulturen angesehen werden können.
.) Vielfältige Anwendung unterschiedlicher Lehrmethoden und Strategien. Dadurch wird allen
Kindern ermöglicht, erfolgreich zu sein.
Coaching-Techniken, selbständiges Lernen, Lernen mit Hilfe des Lehrers und Arbeit in
Kleingruppen werden vorrangig eingesetzt werden.
.) Konzept der Gemeinschaft:
Lernen um des Lernens willen, ohne Ansporn durch Noten.

Unterricht im Team

.) Aufgabe von Wettbewerb und Kontrolle
Wohlgefälliges Verhalten sollte nicht belohnt und von der Norm abweichendes nicht
bestraft werden.

Das Deming’sche Lernzentrum ist daher keine Institution.
Dieser Schritt erfordert eine tiefgreifende Transformation.

Wie schaut dieses Lernzentrum nach Deming aus?


Kinder brauchen Begleitung, Orientierung, Ermutigung, Disziplin und Liebe. Das Lernen soll Spaß machen, vergnüglich sein und sich um seiner Selbst willen lohnen.
Konzept des Lehrers wird durch dasjenige des Lernbegleiters ersetzt.
Eltern sind auch Lehrer, liebevolle Begleiter und Behütende der Kinder. Sie haben ohne Abschlussprüfungen, Noten, Zeugnisse mit ihren Kindern kommuniziert.
Das Lernzentrum baut auf diese Erkenntnisse auf, es ist eine Erweiterung des bestmöglichen Zuhauses, aus dem kreative, freundliche und energiegeladene Kinder hervorgehen.
 


Untere Stufe

 



Erster Schritt:

Von jedem Kind wird die Stimme des Kindes in einem Sprachaufnahmegerät aufgezeichnet, d.h. das Kind ruft oder singt, d.h. der Computer kann sich an das Sprachmuster und den Akzent des Kindes anpassen.
Diese Aktivität verhindert die Entfremdung, die Schüler aus unterschiedlichen Kulturen und Sprachen häufig empfinden, wenn sie Schulen betreten, die von der dominanten Kultur definiert werden.
Diese Aufnahme der Stimme ist Ausgangspunkt für folgende Aufzeichnung des Kindes:
Geschichten und Aktivitäten, zu denen es sich während des Tages oder der Woche anmeldet

Zweiter Schritt:

Der Lehrplan wird in 3 Themenbereiche geteilt und den Eltern oder Erziehungsberechtigten genau erklärt.
3 Bereiche: Erkunden (Suchverhalten: Fokussieren, Spiel, Motivation)
Erschaffen (Kreativität und expressive Qualitäten fördern)
Werden (Entwicklung des bzw. der Lernenden)

Dritter Schritt:

Nur 2 von außen festgelegte Kurse, die jedes Kind belegt.

1. Kurs: Intelligenz: Ein oder beide Elternteile oder Erziehungsberechtigte(n) besucht(en) mehrere Sitzungen, gemeinsam mit dem Kind, wo mit Hilfe von
Spielen, Puzzles, Forschungsaktivitäten und sozialen Interaktionen, die
Beobachtungsgabe des Kindes, seine Fähigkeit zu nivellieren,
Zusammenhänge herzustellen, sich selbst richtig einzuschätzen und die
Sichtweise, die ein Kind von seiner Umgebung hat, zu fördern .
Verschiedene Formen von Intelligenz werden durch regelmäßige
Aktivitäten und Veranstaltungen geübt.

2. Kurs: Soziales Leben: Jedes Kind wird zu einer Schulfamilie, erweitert seine Fähigkeit, wie z.B. mit anderen teilen oder sich um andere zu kümmern. Jedes Kind
sucht sich eine(n) ältere(n) oder jüngere(n) Freund(in), mit der es
gemeinsam diese Zeit in diesem Kurs verbringt. Dadurch lernt das Kind
soziale Strukturen auf ganzheitliche und integrierte Weise.
Soziales Leben steht im Mittelpunkt der Aktivitäten im Lernzentrum.


Vierter Schritt:

Die übrige Zeit wird mit Lernen und Erforschen verbracht.
Zuhören, sehen, spielen, bewegen, arbeiten, um etwas selbständig entwerfen und herstellen zu lernen.

Fünfter Schritt:

Ein Lehrer im Lernzentrum wird zum Lernbegleiter des Kindes.
Das Konzept wird vom Lehrer bestimmt, der die Hinweise für das Erlernende der Initiative des Kindes entnimmt.
Er wartet die Aktivität des Kindes ab und reagiert entsprechend (du möchtest lernen, ich werde dich begleiten).
 



Mittlere Stufe:
 


3 Themen:

Auswählen
Handeln
Wachsen

Schüler übernehmen mehr Verantwortung für die Planung ihrer Lernaktivitäten, gemeinsam mit dem Elternvertreter, dem Lernbegleiter, anderen Lehrern und dem Mentor.
Angeboten wird ein individuell ausgerichtetes Konzept, dieses wird ständig während der verschiedenen Erfahrungsstufen weiterentwickelt.

Auswählen: Das Ziel ist sollte sein, Erfahrungen mit bestimmten Themen, Bereichen,
Beschäftigungen und Nebenbeschäftigungen zu sammeln, die den Interessen und
Neigungen des jeweiligen Schülers entsprechen.

Handeln: Lernen durch Versuch und Irrtum, Praktika für jüngere Menschen und
Forschungsaktivitäten, Nachahmung, Übernahme von Rollen und konkrete
Erfahrungen.

Wachsen: Kinder sollen sich ihrer eigenen körperlichen, emotionalen und sozialen
Veränderungen bewusst werden – (Gesundheit, Ernährung, körperliche und
emotionale Reife).

 


Höhere Stufe



3 Themen:

Herstellen
Entscheiden
Führen

Herstellung von Materialien, Beanspruchung von Dienstleistungen im beruflichen und sozialen Bereich.

Herstellen: bezieht sich auf das Erschaffen eines einzigartigen Objekts bzw. Produkts.


Entscheiden: ist die Planungsphase im Erwachsenenleben, die die Erfahrungen im
weiterführenden Lernzentrum ordnen soll.
Es beinhaltet berufsorientierte und nicht berufsorientierte Beschäftigungen sowie
soziale und gemeinschaftsorientierte Aspekte d. Jugendlichen.


Führen: Die eigene Rolle, die die oder der Jugendliche bei sich zu Hause, in der
Gemeinschaft, im Berufsleben und in ihrem Leben einnimmt, zu akzeptieren und
wenn erforderlich, sie neu zu gestalten.
Unter Führung verstehen wir das Verständnis, wie Wissenschaft und Künste
uns dienen können, zu neuen Ideen zu finden, die Veränderungen des
menschlichen Lebens bewirken und wie Menschen die Fragen des Lebens
betrachten.

Das Curriculum im Lernzentrum ist eine Reihe von Begegnungen problematischer
Natur, die alle Beteiligten dazu zwingt, sich Gedanken zu machen und tiefgreifende
Überlegungen anzustellen. Sie werden Curriculum-Szenarien genannt, die eine
Mischung aus dem Lernstil der Lernenden, dynamischen Forschungszentren
(in denen reale Probleme gelöst werden müssen) und wahren gelebten Erfahrungen
ist. Solche Szenarien könnte man zum Beispiel auf die Bühne bringen.

Der Lernbeirat

Ein Beirat aus Lehrern, Eltern und Lernenden überwacht das Lernumfeld.
Studien und Auswertungen werden durchgeführt, um die Bedürfnisse und Auswirkungen von Aktivitäten im Lernzentrum zu verstehen.
Jeder Erwachsene in Verbindung mit dem Lernzentrum betreut ebenfalls ein persönliches Lehrprogramm, sei es mit einem beruflichen, persönlichen oder nebenberuflichen Schwerpunkt.
Das Programm, das jeder ausgewählt hat, ist wichtiger als das Lehren und wird eigenständig verfolgt. Durch die persönlichen Lehrprogramme gewinnt jeder Erwachsene immer wieder neue Einsichten in den Lernprozess der Schüler.

Verbindungen zwischen Zuhause, der Gemeinschaft und Berufswelt

Zuhause ist ein behaglicher, unterstützender Ort, da es das ursprüngliche Lernumfeld darstellt
(Erfahrungen über Sprache, Wertvorstellungen und persönliche Charakter).
In der Gemeinschaft lernt das Kind in einem größeren Umfeld etwas für andere zu tun.
Beziehung mit der Berufswelt: Gebrauch von Technologien bei der Arbeit – Statistik, Informatik, Qualitätsinput.
Es erfährt etwas über die Ergebnisse seiner Arbeit und die Verflechtung sozialer und ökonomischer Verantwortung.

Überwachung soll durch Begleitung ersetzt werden


Keine Überwachung, 2 – 5 Lernbegleiter beraten sich regelmäßig (über das Wesen d. Lernens, Unterrichtsmethoden für kleinere oder größere Schülergruppen oder Individuen)
Im Lernzentrum ist jeder ein Lernender.


Reflektierendes Lernen

Regelmäßiges Reflektieren der Lernaktivitäten, Analysieren der eigenen Arbeiten in größeren Zeiträumen.
Kurzes Eintragen in Notizbücher, Tagebücher, persönliche Hefte oder Arbeitsgruppen.
Ein Buch des erlernten Materials, das eine mindestens einseitige Lerngeschichte von jedem Mitglied der Schule enthält, wird zusammengestellt. (Berichte über Höhepunkte oder signifikante Erfahrungen einer Person). Jede Geschichte ist eine persönliche Reflexion – diese Geschichten werden in regelmäßigen Abständen vorgelesen und bedeutsame Lernprinzipien, die darin enthalten sind, besprochen.
Jedes Mitglied kann seine Lerngeschichte durch eine andere ersetzen.
Anhand dieser Geschichten wird das Lernzentrum neu strukturiert und verbessert.
Ein Lernbegleiter-Anwärter wird gebeten, bei einem Bewerbungsgespräch, das Buch des erlernten Materials und die darin enthaltenen Prinzipien zu überprüfen und eine persönliche Lerngeschichte zum Buch des erlernten Materials beizutragen. Dadurch werden die Prinzipen und die Lernvision der Schule ständig neu definiert.
Bei Verabschiedung eines Mitgliedes wird seine Lerngeschichte entfernt.

Zeitliche und räumliche Formen

Keine Klassenzimmer im herkömmlichen Sinn, es wird unbeständigere und flexiblere Formen geben, die verschoben werden können, um eine Konzentration auf das Lernen und auf Spontaneität hin zu bewirken.
Die Zentren der Lernaktivität werden als Labors, Geschäfte, Bühnen, Interessenszentren verschiedener Art gestaltet werden – große, offene Räume, die leicht wieder auf- und abgebaut werden können.
Das Lernzentrum wird so angelegt sein, dass es die angeborene Freude am Lernen, die jeder Mensch mitbekommen hat, erhält.
Es ist ein Ort der Befähigung, an dem Kinder ihr eigenes Lernen bestimmen und ihr Leben selbst kontrollieren können.

Das Lernmodell für das Lernzentrum

Das Modell der Total Quality Education wurde von Hill (1992) entwickelt und umfasst 3 Bereiche:

.) Die eigene Bereitschaft
.) Kompetenz
.) Nachforschen

Das eigene Potential, auf Grund dessen der Mensch etwas tut, produziert oder aufbaut, sollte aktiviert und umgesetzt werden – was sehr wichtig ist, dass wir die Glaubenssätze über uns selbst und über andere, ständig überprüfen und erneuern sollen.
Pädagogen sollten Begriffe vermeiden, die den Menschen in ein starres Konzept zu bringen versuchen.

Biologische Ursprünge des persönlichen Curriculums

Kinderärzte und Eltern stellen verschiedene Typen von Kindern fest.

Drei solcher Typen sind (nach Brazellon, 1969) als

.) das umgängliche Kind
.) das sich langsam erwärmende Kind
.) das schwierige Kind

bezeichnet worden. Diese Einteilung dient dem Zweck, Unterschiede festzustellen und mit ihnen zu arbeiten.
Auch wenn alle Handlungen des wenige Stunden alten Säuglings ein Ganzes bilden, so lassen sie sich im Laufe des Wachstums des Kindes und seiner Entwicklungsjahre einzeln identifizieren.
Forschungen von Thomas, Class & Birch, 1968, haben diese Variablen in einer Stichprobe von Kindern bis 12 Jahren nachgewiesen.


Die 8 beobachteten Aktionen:

1. Aktivitätsniveau
2. Rhythmik
3. Ablenkbarkeit
4. Annäherung / Rückzug
5. Anpassungsfähigkeit
6. Aufmerksamkeitsumfang
7. Intensität der Reaktion auf Reize
8. Stimmung


Da diese acht Aktionen zusammenwirken, trägt jede von ihnen zu vier Domänen bei:

1. Die Selbstdomäne
2. Die Bereitschaftsdomäne
3. Die Kompetenzdomäne
4. Die Erkundungsdomäne

Diese 4 Domänen bilden zusammen das Lernmodell für das TQE-Lernzentrum.
Es geht davon aus, dass wir nichts isoliert lernen. Wir lernen in Beziehung zu unserer Sicht von uns selbst, unseren Vorstellungen, von unseren Erfahrungen aus der Vergangenheit, unserer Fähigkeit, uns zu verhalten, etwas zu vollbringen, etwas zu tun, auch in bezug auf unsere Herangehensweise an jedes Ereignis in unserem Leben. Was der Mensch aus einem Ereignis lernt, ist eine Interaktion mit allen vier der genannten Domänen.

1. Die Selbstdomäne
besteht aus drei Schichten

a) das expressive Selbst
b) das sozialisierte Selbst
c) das transzendente Selbst

Germinaria, Cervalli & Ogden, 1992, haben festgestellt, dass es zwischen dem Konzept des eigenen Selbst und den Leistungen und Erfolgen in der Schule einen Zusammenhang gibt.
Das expressive Selbst ist das früheste und am wenigsten durch die Gesellschaft definierte Selbst. Es ist grundlegender und primitiver als das sozialisierte Selbst, bildet daher die unterste „Schicht“.
Das transzendente Selbst ist Bestandteil des inneren Selbstseins, bei dem es um höhere Fragen geht, sei es weltlicher oder religiöser Natur.
Wenn die Welt des transzendenten Selbst keine spirituelle Form annimmt, dann kann es sich durch den Anschluss an eine Gruppe oder Mission im Leben ausdrücken.
Menschen sind von Natur aus soziale Wesen. Anfangs ist es die Fürsorge der Eltern und Gemeinschaft von Menschen, in die wir hineingeboren wurden. Unsere soziale Identität wird häufig unser Selbstkonzept genannt, weil wir Vorstellungen, die wir von uns selbst aufgrund der Reaktionen, die andere uns gegenüber an den Tag legen, entwickelt haben.
Wir lernen, selbstlos zu handeln durch die Liebe und Fürsorge der Menschen um uns herum und sie auch zu erwidern. Erwachsene können Befriedigung und Faszination daraus beziehen, ein Kind zu füttern, sich mit ihm zu verbinden (ein transzendenter Teil von ihnen erinnert sich an ihr eigenes früheres Selbst), so dass das Kind, das die Energie des Selbst nachahmt und ausstrahlt, lernt, Selbstvertrauen zu haben und human (als Mensch) zu handeln.
Dieser Prozess wiederholt sich endlos.

Das Kind wird in seine Familienverhältnisse, die Gemeinschaft, die ethnische Identität und die in seiner Gemeinschaft vorherrschenden politischen Werte und Normen eingegliedert.
Soziale Werte und Gerechtigkeit sind sich entwickelnde Entscheidungen und kompetente Handlungen, die aus Liebe und aus den Herausforderungen des sozialen Lebens erwachsen, die aus Neugier provoziert werden.
Für andere das zu tun, von dem man möchte, dass sie es für einen selbst tun, ist nicht nur ein religiöser Sinnspruch, sondern eine universell – menschliche transzendente Ethik – ist aus dem Bemühen der Eltern um uns entstanden und wie wir in derselben Weise auf sie reagiert haben.
Unmoralisches Sozialverhalten ist das Gegenteil einer liebevollen Beziehung. Sie tritt dort auf, wo Ichbezogenheit zu einer Abwehr gegen die Abwesenheit „anderer“ menschlicher Fürsorge wird.
Die künstlerische Quelle der Selbstdomäne sind die spontanen, expressiven kindlichen Qualitäten von offenem Staunen und unkomplizierter Präsenz.
Dinge spontan so zu sehen, wie sie sind, Dinge neu zu benennen. Ein großer Teil der künstlerischen Kreativität in uns wird durch Rollen und Erwartungen abgeschwächt, die dem sozialen Selbst auferlegt werden.
Kinder, deren Selbstwertgefühl nicht unterdrückt worden ist, leben ihre Kreativität. Das Gegenteil davon ist Wut, die sich in destruktivem Handeln äußert. Im Lernzentrum soll das kreative Potential der Schüler herausgefiltert werden.


2. Die Bereitschaftsdomäne

Bereitschaft basiert auf Lernen und Erfahren in der Vergangenheit, Beobachten, anderen zuhören, miteinander teilen; eine Aufgabe vor einer Lernbegegnung durchzuspielen führt dazu, dass ein Kind eine bessere Orientierung, größere Bereitschaft und weniger Angst entwickelt.
Nach Keefe, 1987, schließt Bereitschaft den Lernstil und die Stärken im Bereich der Wahrnehmung und Kognition ein, die in eine neue Lernsituation eingebracht werden können.
Jener Schüler, der versteht, wie man lernt und weiß, wie man sich organisiert und Informationen verwendet, hat einen eingebauten „Bereitschafts-Vorteil“.
Bereitschaft schließt auch die Unterstützung des Kindes durch die Umwelt ein, dazu gehören materielle wie soziale Bedingungen, wie liebevolle Eltern, gute, gesunde Nahrung, einfühlsame Mitschüler, verständnisvolle Lehrer.
Im Lernumfeld gehören Selbstvertrauen, ein Risiko einzugehen, ein Thema zu erarbeiten, aus Erfahrungen eine Bedeutung abzuleiten und sie einzuordnen, sich beim Lernen zu engagieren.
Die mangelnde Bereitschaft zeigt sich in einer das Kind schwächenden Verhaltensweise, bei der es als Abwehrreaktion auf ein neues soziales Umfeld oder Lernumfeld frech und einschüchternd wirkt. Eine zweite Form mangelnder Bereitschaft ist der Versuch, Schule nur zu spielen, um andere zu beeinflussen, deren Lernaktivitäten Substanz besitzen.
Ein dritter Zustand mangelnder Bereitschaft ist der Rückzug vom Lernen und seinem Umfeld, wie Abwesenheit, Schulaussteiger, etc.....



3. Die Kompetenzdomäne

Kompetenz kann durch angeborene Fähigkeiten verstärkt werden, ist aber auch erlernbar und kann durch persönliches Engagement und Willenskraft in Taten umgesetzt werden. Sie ist das innere Repertoire, das einem als Potential zum Handeln zur Verfügung steht.

4 Ebenen von Kompetenz:

Inkompetenz - 1.Stufe: Nichtwissen; der Lernende ist sich nicht der Notwendigkeit
bewusst, Fähigkeiten anzueignen. Dies wirkt sich auf die
Bereitschaftsdomäne durch Nachahmen, Demonstrieren und
Nachäffen von Handlungen anderer aus.
2.Stufe: Der Lernende ist sich seiner Inkompetenz zumindest
bewusst. Jetzt hat er die Möglichkeit, die Lernschritte in die
Wege zu leiten, die auf das zu bewältigende Wissensmaterial
erforderlich sind.
3.Stufe: Bewusste Kompetenz; Ausführen von gerichteten
Verhaltensweisen, die zu einem Maximum vom Gelernten
führen, ohne Ablenkungen.
4.Stufe: Lernen innerhalb eines anregenden, komplexen und
möglicherweise verblüffenden Zusammenhangs.

4. Die Erkundungsdomäne

Die einfachste Art, wie Kleinkinder die Welt um uns erkunden, ist die Frage: „Was ist das?“ Jedes Kind erschafft eine erste Ebene von sozialem Wissen. Kinder lernen mit der Zeit nicht mit dem Finger auf einen Gegenstand zu zeigen, sondern diese zu benennen, danach die erste Ebene kulturellen Wissens. Durch den Namen tritt beim Kind ein erstes Akzeptieren von Sozialisierung, Identifizierung und Konformität ein. Dies ist der erste Schritt zu Fortführung und Erhalt der Gesellschaft und Kultur, in die das Kind hineingeboren wurde. Später schafft es sich neue Namen von Dingen und kann damit seine Gesellschaft und Kultur verändern.

4 Ebenen des Erkundens:

1. Identifizieren: Woraus besteht etwas? Was sind seine Bestandteile?
2. Definieren von Dingen: Was tut es? Wie funktioniert es?
3. Veranschaulichen: kann persönlich, abstrakt oder konkret sein.
4. Erweitern:
Vergleiche, Analysen und Assoziationen in welcher Beziehung steht ein Ding zum anderen und wie verbindet es sich mit diesem? Wie wirken sie zusammen? Wie unterscheiden sie sich voneinander? Wie ähneln sie sich?
Man arbeitet hier mit der moralischen und sozialen Erkundungsebene. Man überprüft die internen Maßstäbe eines Gegenstandes ebenso wie die kontext- und situationsbedingten.
Diese Ebene ist für den inneren Dialog eines Lernenden wesentlich, er kann innerhalb seines persönlichen Erfahrungskerns Bedeutungen finden und neue erfinden.
Die neuen Erkundungen und Erfahrungen stellen die Lernenden ihren Erinnerungsressourcen in der Bereitschaftsdomäne gegenüber.
Sie untersuchen außerdem ihre Selbstdomänen und ihre sozialen Eigendefinitionen, die sie aus Gründen der Annehmlichkeit verwenden. Sie durchforsten ihre Kompetenzdomäne, um die Dinge, die sie tun können, zu verfeinern.
Beim Erkunden handelt es sich um ein Grundbedürfnis des Menschen. Dies führt zur Neugierde, zur Faszination für neue und unbekannte Dinge um schließlich, den Dingen und dem Leben einen Sinn zu geben.

4 Unterrichtsthemen:

Im Lernzentrum steht das Lernen im Vordergrund und dem muss das dazugehörige Erziehungsmodell entsprechen.
Lernen ist ebenso wie Heilung und Wachstum eine innere Dynamik, die biologische und psychologische Wurzeln hat und sich im Menschen selbst vollzieht. Es gibt innere und situationsbedingte „Lehrer“ für unsere Kernerfahrungen und diese wiederum werden durch gute Klassenlehrer in traditionellen Schulen oder durch Lernbegleiter in Lernzentren unterstützt. Diese vier „Lehrer“ sind Emotion, Erfahrung, Handlung und das Unbekannte. Dieses Prinzip ist erstmalig von Comenius im Jahre 1642 aufgestellt worden.
Jeder dieser 3 Variablen ist gleichzeitig ein wichtiger Lehrer einer der 4 Domänen des Erfahrungskerns und darüber hinaus ein wesentlicher Bestandteil der Gesamtreaktion auf das Lernen.

.) Emotion als Lehrer der Selbstdomäne
Jeder Mensch verleiht durch sein Interesse oder seine Gleichgültigkeit Ereignissen, die eintreten, Gültigkeit. Unsere Gefühle sind unser persönlicher Lehrer bei den Erfahrungen, die für uns die größte Bedeutung besitzen.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

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